Anton Praetorius, geboren 1560 in Lippstadt; gestorben am 6. Dezember 1613 in Laudenbach an der Bergstraße, war ein engagierter Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter.

Pfarrer Anton Praetorius ertrug es nicht, wie unschuldige Frauen durch die Folter in den Tod getrieben

Praetorius Bericht 1602
Praetorius Bericht 1602

wurden. In seiner Meinung wurde er durch einige andere Persönlichleiten bestärkt, z. B. durch den Lehrer Johannes Cisnerus.

Mit viel Engagement und Mut begehrte Praetorius auf und setzte alles daran, dass ein Prozess gegen vier Frauen in Birstein (im Norden des heutigen Main-Kinzig-Kreises) beendet und die Frauen freigelassen würden.

Als Ortspfarrer wetterte er heftig und erfolgreich gegen die Folter. Leider lebte nur noch eine der vier Gefangenen: Sie wurde freigelassen.

In den Prozessakten zu diesem einmaligen Vorgang heißt es in einem Aktenvermerk der damaligen Zeit:

„weil der Pfarrer alhie hefftig dawieder gewesen, das man die Weiber peinigte, alß ist es dißmahl deßhalben underlaßen worden.“

Der Preis war allerdings hoch, Praetorius verlor sein Amt als Hofprediger: Graf Wolfgang Ernst entließ ihn.

Praetorius Reise nach Heidelberg

Praetorius reiste 1594 nach Heidelberg und war vom großen Fass im Schloss beeindruckt. Er verfasste ein lateinisches Lobgedicht auf dieses Weltwunder seiner Zeit und widmete es Kurfürst Friedrich IV., dem Gründer der Stadt Mannheim.

Es ist die älteste bekannte Beschreibung des ersten großen Fasses von Heidelberg. Das Fass war schon damals eine Touristenattraktion. Das Heidelberger Schloss mit dem heutigen 4. Großen Fass ist die weltweit bekannteste Sehenswürdigkeit Deutschlands – jährlich von einer Million Touristen besucht.

Praetorius schildert in seiner Schrift die Maße des Fasses, macht Angaben zur Bauweise und philosophiert über dessen Nutzen und Sinn mit biblischen Bezügen bis hin zu Josephs Kornspeichern in Ägypten.

Diese in der damaligen Weltsprache Latein verfasste Schrift war lange verschollen und ist nur noch in einem einzigen Exemplar mit 8 gedruckten und 7 handgeschriebenen Seiten erhalten. Es befindet sich in der Staatsbibliothek Berlin.

Das Heidelberger Fass

Das Heidelberger Fass
Das Heidelberger Fass

Perkeo – der Fasswächter

Perkeo, der ursprünglich Knopfmacher gewesen sein soll, machte vermutlich 1718, im Alter von sechzehn Jahren, die Bekanntschaft Karl Philipps, der 1712 Gubernator der ober- und vorderösterreichischen Lande in Innsbruck und erst 1716 durch den Tod seines Bruders Kurfürst von der Pfalz geworden war. Beeindruckt von seiner Trinkfestigkeit und Schlagfertigkeit nahm der Fürst Perkeo als Hofzwerg in seinen Dienst und mit nach Heidelberg, wo er sich am 18. August 1718 niederließ.

Der Künstlername Perkeo soll sich daraus ableiten, dass Perkeo auf Fragen – zum Beispiel die, ob er das große Fass im Heidelberger Schloss leertrinken wolle – gern auf Italienisch antwortete: „perché no?“ (Warum nicht?). In Heidelberg machte der Kurfürst ihn zum Hüter des Fasses, des Vorgängers des nur wenig größeren Riesenfasses von 1751, das sich bis heute erhalten hat.